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Der Wolf: Mythos - Märchen - Fakten

Die Rückkehr des Wolfes

 

Die Familienstruktur in den frei lebenden Rudeln ist der menschlichen Familienstruktur so unglaublich ähnlich, wie bei keinem anderen Tier. Entstehende Konflikte in der Gruppe werden überwiegend durch Körpersprache gelöst,  wobei der rangniedrige Wolf Beschwichtigungsgesten zeigt. Eine Hierarchie erlebt man unter den Wölfen nur in Gefangenschaften, wenn der Nachwuchs nicht abwandern kann und bei Gruppen, die der Mensch zusammengeführt hat. Ein frei lebendes Wolfsrudel besteht in der Regel aus den Elterntieren, einer Fähe und einem Rüden, die ein Leben lang in einer monogamen Gemeinschaft leben und darauf achten, dass fremde Wölfe dem Territorium fern bleiben. Ausschließlich diese beiden Tiere paaren sich und nach nur 2 monatiger Tragezeit werden die Welpen geboren. Im ersten Jahr sind sie voll und ganz auf ihre Eltern angewiesen, die sie geradezu liebevoll versorgen. Die Jährlinge in der Gruppe, also die Jugendlichen zwischen 1-2, maximal 3 Jahren, unterstützen die Elterntiere bei der Aufzucht, Erziehung und Jagd. Erst mit Erreichen der Geschlechtsreife verlassen sie das Rudel und auch das Territorium der  Eltern und begeben sich auf Wanderschaft. Dabei legen sie oftmals viele hundert Kilometer zurück, auf der Suche nach einem Partner und einem freien Revier, um eine eigene Familie zu gründen. Unsere hier ansässigen Wölfe kommen ursprünglich aus Ostdeutschland und Westpolen.

Der Wolf und das Ökosystem


Durch die Rückkehr des Wolfes gelangt auch das Ökosystem wieder in ein natürliches Gleichgewicht. Rehe und Hirsche werden aktiver, wandern mehr umher, was sich auch auf ihr Fressverhalten auswirkt, da sie nicht mehr immer an selber Stelle die jungen Triebe abfressen. Die Vegetation kann sich erholen und Schutzwälder können sich besser verjüngen. Da der Wolf meist nicht die ganze Beute auf einmal frisst, wird eine Nahrungsnische  geschaffen, die Nahrungsgrundlage für andere Tiere darstellt. Die Zersetzung der Überreste durch Würmer, Bakterien usw. lässt nährstoffreiche Erde entstehen, die der Pflanzenwelt zu Gute kommt. Eine Regulierung durch den Menschen wird niemals denselben Erfolg haben, wie die natürliche Regulation durch die Wiederkehr des Wolfes. In Gebieten, in denen sich der Wolf bereits über längere Zeit niedergelassen hat, ist eine deutliche Erholung der Vegetation zu verzeichnen.

Der Wolf als Jäger

Die Beutetiere des Wolfes sind oft um ein vielfaches größer, als der Wolf selbst. Dies verlangt dem Wolf ein absolut strukturiertes und gut koordiniertes Jagdverhalten ab, dass, sofern sie im Rudel leben, auch in Gemeinschaft stattfindet. Dabei können sie ihre Beute über eine Distanz von 2 – 3 km wittern. Um Energien zu sparen, jagt der Wolf überwiegend schwache, also entweder alte, kranke oder noch sehr junge Tiere und auch nur dann, wenn er Aussichten auf Erfolg sieht. Dennoch ist nur 10% der Jagd von Erfolg gekrönt. Einzelwölfe, die in die Geschlechtsreife gekommen sind und das Rudel verlassen haben, aber auch der Wolf im Familienverbund geht somit immer den Weg des geringsten Wiederstandes und wählt dann auch gelegentlich den Übergriff auf unser Nutztier wie Schafe, Ziegen aber auch Rinder, auch wenn sie nicht zur bevorzugten Beute gehören. Hier kommt es auch vor, dass mehr als nur ein Tier durch den Wolf zu Tode kommt, auch wenn es sich bei Mehrfachtötungen nicht, wie häufig gerne gesagt, um einen Blutrausch, sondern um ganz normales Jagdverhalten und beutefangmotiviertes Zupacken handelt. Durch die Enge der Gehege und den kaum vorhandenen Fluchtinstinkt unserer Nutztiere packt der Wolf jedes Mal erneut zu, wenn Bewegung entsteht. Die umherrennenden Tiere lösen immer wieder den ganz normalen Beutereflex aus. Um Einhalt zu gebieten, sollten Herdenschutzmaßnahmen, die durchaus auch gefördert werden, umgesetzt werden.

Schutzmaßnahmen


Ein korrekt aufgestellter Elektrozaun hält den Wolf fern, sofern er stramm und bodennah aufgestellt wurde und eine Mindesthöhe von 90 cm, besser noch 110 cm aufweist. Der Wolf, anders als unser Haushund, nimmt nur ungern den Weg über den Zaun, er versucht eher, einen Weg unter dem Zaun durch zu finden. Gelingt ihm dies, wird er mit der Zeit auch lernen, einen sicher aufgestellten Zaun zu umgehen. Ein sichtbares Flatterband oberhalb des Zaunes und eine sichere Barriere gegen unterwühlen der Zäune ist empfehlenswert und bietet neben dem Wolf auch Wildschweinen und anderen Tieren Einhalt. Ein weiterer Schutz der Herden bieten Herdenschutzhunde, die speziell dafür über viele tausend Jahre hinweg gezüchtet werden. Der Herdenschutzhund bewacht und verteidigt die Herden gegen jegliche Form des Angriffs. Sie arbeiten weitestgehend autark und leben mit und unter der Herde. Sie schützen ihr „Rudel“ nicht nur gegen den Wolf, sondern halten Wildschweine fern, die oftmals die Weidezäune einreißen und dadurch ebenfalls viel Unheil anrichten können, aber auch der diebische Mensch wird keinen Erfolg verbuchen, wenn Herdenschutzhunde die Herde bewachen.

 

Mensch & Wolf


Eine Konditionierung durch den Menschen kann für beide Seiten fatale Folgen haben. Der Wolf ist schlau und merkt sich, wenn er Vorteile wie z.B. Futter, durch den Menschen erlangen kann. Er gibt es im schlimmsten Fall auch an seine Nachkommen weiter, wodurch die natürliche Scheu nach und nach verloren geht und der Wolf seine Grenzen überschreitet. Eine wirkliche Gefahr für den Menschen stellt der eher scheue und Menschenbegegnungen vermeidende Wolf jedoch nicht dar. Die Gefahr vom Blitz getroffen zu werden ist um ein vielfaches größer, als vom Wolf angegriffen und schwer verletzt zu werden. Beachtet man einige wichtige Regeln im Zusammenleben mit dem Wolf, wird auch eine Wolfsbegegnung beim Spaziergang ohne Zwischenfälle verlaufen und in guter Erinnerung bleiben.

 

 

 

 

  • nicht panikartig wegrennen, sondern ruhig weiterlaufen
  • kommt ein Wolf direkt auf einen zu (in der Regel sind dies neugierige Jungtiere), stehenbleiben und laut in die Hände klatschen und rufen
  •  gegebenenfalls einen Stock oder Knüppel nach dem Tier werfen
  • nicht füttern oder Speiseabfälle in der Natur zurücklassen
  • Hund ran rufen und anleinen

Es wird noch eine Weile dauern, bis der Wolf ebenso in unser Landschaftsbild gehört, wie Rehe, Hasen oder andere Waldbewohner und er tatsächlich als Willkommen gilt. Durch gezielte Aufklärung und Berichterstattung, aber auch durch ein wenig Empathie dem wohl mitunter meistgefürchteten Wildtier Deutschlands wird der Wolf hoffentlich seine Berechtigung auf Leben dauerhaft erhalten und nicht in wenigen Jahren in Deutschland wieder als ausgestorben gelten, weil durch Unwissen Jagd auf ihn gemacht wurde.
 

Petra Hörmann

Wir müssen die Natur nicht als unseren Feind betrachten, den es zu beherrschen und zu überwinden gilt, sondern wieder lernen, mit der Natur zu kooperieren. Sie hat eine viereinhalb Milliarden lange Erfahrung, unsere ist wesentlich kürzer.                                                
                                                            
H.-P. Dürr